Wenn das Vermögen auf zehn Apps verteilt liegt

Wenn das Vermögen auf zehn Apps verteilt liegt

Parqet im redaktionellen Test: Was der deutsche Portfolio-Tracker leistet, wo seine Grenzen liegen – und für wen sich die kostenpflichtige Version rechnet.


Ein Depot bei der Hausbank, eines bei Trade Republic, dazu ein Tagesgeldkonto, ein paar Coins auf einer Krypto-Börse, vielleicht noch ein Goldsparplan. Wer in den vergangenen Jahren systematisch Vermögen aufgebaut hat, kennt das Problem: Die einzelnen Bausteine ergeben kein klares Gesamtbild. Genau diese Lücke schließt Parqet, ein in Deutschland entwickelter Portfolio-Tracker, der sich in den letzten Monaten zu einer der am häufigsten genannten Lösungen im DACH-Raum entwickelt hat.

Was Parqet eigentlich ist

Parqet bündelt sämtliche Vermögenswerte eines Anlegers in einer einzigen Oberfläche – Aktien, ETFs, Anleihen, Krypto, Edelmetalle, Tagesgeld, sogar Immobilien lassen sich abbilden. Verfügbar ist die Anwendung im Browser sowie als App für iOS und Android. Die Daten werden in Deutschland gespeichert, das Unternehmen verzichtet nach eigener Aussage auf die Monetarisierung personenbezogener Daten – ein nicht unwesentlicher Punkt für deutsche Privatanleger.

Die Einrichtung läuft über drei Wege: eine direkte Schnittstelle (Autosync) für Trade Republic, Scalable Capital, ING, comdirect und Consorsbank; ein PDF- oder CSV-Import für mehr als 50 weitere Broker; und für alles Übrige eine manuelle Erfassung. In der Praxis ist die Schnittstellen-Anbindung der entscheidende Komfortfaktor – wer dort sein Hauptdepot hat, ist binnen weniger Minuten startklar.

Drei Werkzeuge heben Parqet aus der Masse vergleichbarer Tools heraus – und mindestens eines davon rechtfertigt für viele Anleger das Jahresabo allein.

Die Funktionen, die den Unterschied machen

Die Durchleuchtungsanalyse. Wer mehrere ETFs hält, kennt das Problem unsichtbarer Klumpenrisiken. Parqet schlüsselt sämtliche Fondspositionen bis auf die Einzelaktie auf und zeigt, wie hoch die tatsächliche Gewichtung etwa von US-Tech-Werten oder einer einzelnen Aktie wie Apple im Gesamtportfolio ist – inklusive der Anteile, die über ETFs indirekt gehalten werden. Diese Funktion allein rechtfertigt für viele Anleger den Schritt in die kostenpflichtige Version.

Parqet X-Ray Funktion

Das Dividenden-Dashboard. Für Cashflow-orientierte Anleger ist die Auswertung historischer und prognostizierter Ausschüttungen das eigentliche Herzstück. Ein Kalender zeigt Monat für Monat, welches Unternehmen wann zahlt, was bereits angekündigt ist und was statistisch zu erwarten steht. Die Prognose reicht bis ins Folgejahr.

Parqet Dividenen Kalender

Die Steuer- und Gebührenübersicht. Realisierte Gewinne, gezahlte Quellensteuern, Erstattungspotenziale, Ordergebühren über alle Broker hinweg – alles in einer Ansicht. Für die jährliche Steuererklärung ein erheblicher Zeitgewinn.

Hinzu kommen Standardfunktionen wie Watchlists, Performance-Vergleiche gegen Benchmarks, ein Newsfeed und ein jährlicher Rückblick im Stil eines „Spotify Wrapped“ für das eigene Depot.

Preise und Tarife

Parqet folgt einem Freemium-Modell. Die Basisversion ist dauerhaft kostenlos, erlaubt aber nur ein Portfolio sowie eine eingeschränkte Analyse. Die drei Stufen im Überblick:

  • Free: dauerhaft kostenlos, ein Portfolio, eingeschränkte Analyse.
  • Plus: rund 8 Euro monatlich bzw. 87,99 Euro im Jahr; fünf Portfolios, vollständige Analyse inklusive Durchleuchtung.
  • Investor: 29,99 Euro pro Monat; 15 Portfolios, gedacht für Anleger mit komplexen Strukturen.

Eine 14-tägige kostenlose Testphase ist Standard, jederzeitige Kündigung möglich. Bei einem Depotvolumen ab etwa 50.000 Euro entspricht das Plus-Jahresabo unter 0,2 Prozent der Anlagesumme – ein Verhältnis, das sich angesichts der gewonnenen Transparenz vertreten lässt.

Wo Parqet schwächelt

Drei Punkte sind kritisch zu erwähnen. Erstens: Die Autosync-Funktion ist auf eine begrenzte Auswahl an Brokern beschränkt. Wer bei Flatex, DKB oder einer Sparkasse handelt, muss mit PDF-Uploads arbeiten – funktional, aber weniger komfortabel. Zweitens berichten Nutzer vereinzelt von Synchronisationsfehlern, etwa bei der ING-Schnittstelle. Der Support reagiert nach übereinstimmenden Bewertungen zuverlässig, dennoch ist gelegentliches Nachjustieren nötig. Drittens: Die Berechnungslogik einzelner Kennzahlen wie der zeitgewichteten Rendite ist nicht vollständig transparent dokumentiert – wer es exakt wissen will, muss nachfragen.

Ein Tool, das eine zentrale Lücke der deutschen Anlegerlandschaft füllt – mit einer Sorgfalt, die im Fintech-Bereich selten geworden ist.

Empfehlung

Parqet ist derzeit das überzeugendste Portfolio-Tracking-Tool im deutschsprachigen Raum. Die Kombination aus moderner Oberfläche, deutscher Datenhaltung, breiter Asset-Abdeckung und ernstzunehmenden Analysefunktionen ist in dieser Form bei keinem direkten Wettbewerber zu finden. Wer Portfolio Performance kennt – die quelloffene Desktop-Lösung – wird die deutlich geringere Einrichtungszeit zu schätzen wissen.

Drei klare Einschätzungen für unterschiedliche Anlegertypen:

  • Reine ETF-Sparer bei Trade Republic oder Scalable bekommen in der Broker-App bereits eine brauchbare Übersicht und können sich Parqet sparen – oder die kostenlose Basisversion nutzen.
  • Anleger mit zwei oder mehr Depots an verschiedenen Stellen, dazu Krypto und vielleicht Edelmetalle, sollten das Plus-Abo testen. Spätestens die Durchleuchtungsanalyse zeigt im ersten Anlauf meist eine Erkenntnis, die das Jahresabo rechtfertigt.
  • Das Investor-Paket bleibt eine Nische für Anleger, die private und betriebliche Depots parallel führen oder mehrere Strategien strikt trennen.

Insgesamt ein Tool, das eine zentrale Lücke der deutschen Anlegerlandschaft füllt – und das mit einer Sorgfalt, die im Fintech-Bereich selten geworden ist.


Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlage- oder Steuerberatung dar. Preise, Tarifstrukturen und Funktionsumfänge können sich kurzfristig ändern; maßgeblich sind stets die Angaben des Anbieters zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses.